Die Pille- was gibt es Neues?

  24. Mai 2022

Seit über 50 Jahren wird die Pille zur Empfängnisverhütung verwendet. Nach wie vor zählt die Pille zu den sichersten Verhütungsmitteln und ist die am häufigsten verwendete Methode zur Verhütung einer Schwangerschaft.

Unter der Pille versteht man im Allgemeinen ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat. Wenn es, wie heute meist üblich, niedrig dosiert ist – wird es als Mikropille bezeichnet. Daneben gibt es reine Gestagen-Produkte, die so genannten Minipillen oder Gestagenpillen.

Wirkweise der Pille

  • Unterdrückung des Eisprungs. Dadurch besteht der gesamte Zyklus der Frau aus unfruchtbaren Tagen.
  • Veränderung des Zervixschleims im Gebärmutterhalskanal. Dieser wird dicker und zähflüssiger. Dadurch können die Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen.
  • Verhinderung des monatlichen Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut.

Anwendung
Bei fast allen Präparaten wird über 21 Tage lang jeweils eine Hormon-Pille täglich eingenommen. Dann folgt ein siebentägiges hormonfreies Intervall, das eine menstruationsähnliche Blutung (Hormonentzugsblutung) auslöst. Anschließend beginnt die Frau mit einer neuen Monatspackung wieder von vorne.

Es gibt allerdings auch Kombinationspräparate mit 28 Pillen pro Monatspackung – die letzten sieben Pillen sind hormonfrei und nur dazu da, dass die Frau den gewohnten täglichen Einnahmerhythmus nicht unterbrechen muss. Auch diese Präparate entsprechen also dem „21 und 7“-Einnahmeschema.

Daneben gibt es auch ein Kombinationspräparat, das einem „24 und 4“-Einnahmerhythmus folgt: In jeder Monatspackung finden sich 24 hormonhaltige und vier wirkstofffreie Pillen.

Langzyklus
Langzyklus bedeutet, dass die Pille ohne Pause durchgenommen wird. So kommt es auch nicht zum Abfall des Hormonspiegels und somit nicht zu Blutungen.

Durch die pausenlose Pillen-Anwendung wird die Sicherheit erhöht. Der Langzyklus hat – ebenso wie eine „normale“ Pillenanwendung – keine Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit. Auch Nebenwirkungen treten nicht häufiger auf als bei der klassischen Anwendungsform. Gegebenenfalls kann das Risiko für Zwischenblutungen zu Beginn des Langzyklus etwas höher sein. Aber der Körper gewöhnt sich in der Regel schnell an die neue Situation.

Der Langzyklus bietet sich für Frauen an, denen ein Hormonspiegelabfall während der Pillen- Pause regelmäßig große Beschwerden macht, beispielsweise weil in dieser Zeit verstärkt Migräneattacken auftreten. Dadurch, dass die zyklusbedingten Hormonschwankungen unterbunden werden, können sich diese Symptome bessern. Auch für Frauen, die während der Menstruation unter Stimmungsschwankungen leiden oder schmerzhafte Blutungen haben, kann der Langzyklus eine Option sein.

Antiandrogene Pille
Nicht immer wird die Pille (nur) zur Verhütung verschrieben. Manchmal dient die Pille auch zur Behandlung von Androgenisierungserscheinungen bei Frauen. Dies sind körperliche Veränderungen, die auf Androgene (männliche Sexualhormone wie Testosteron) zurückzuführen sind. Dazu zählen beispielsweise Akne und Hirsutismus, d.h. vermehrte Körperbehaarung z.B. am Kinn, Oberlippe, Brust etc.

Frauen, die von solchen Androgenisierungserscheinungen betroffen sind, können von der anti-androgenen Wirkung bestimmter Pillen profitieren. Geeignet sind Kombinationspräparate, die eine spezifische Gestagen-Komponente enthalten, zum Beispiel Dienogest oder Drospirenon.

Nebenwirkungen
Die meisten Nebenwirkungen sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Manche Frauen leiden zum Beispiel unter Übelkeit und Schwindel, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, depressiven Verstimmungen, sexueller Lustlosigkeit oder einem Spannungsgefühl in den Brüsten. Diese Nebenwirkungen sind eher selten. Treten sie auf, kann es sinnvoll sein, das Präparat zu wechseln. In der ersten Zeit der Einnahme sind Zwischenblutungen häufig, sie verschwinden meist nach zwei bis drei Monaten. Sollten sie anhalten, kann ein anderes Präparat ausprobiert werden.

Viele Frauen haben Sorge, durch die Pille zuzunehmen. Tatsächlich passiert das aber nur in wenigen Fällen. Hier unterscheiden sich die einzelnen Präparate kaum.

Schwerwiegende gesundheitliche Probleme sind selten. Die Pille erhöht das Risiko für Thrombosen. Deshalb ist es wichtig, vor Verschreibung der Pille über mögliche Vorerkrankungen oder Risikofaktoren zu sprechen.

Mit reinen Gestagen-Pillen besteht kein Thromboserisiko.

Was gibt es Neues?
In diesem Jahr 2022 werden zwei neue Pillen in der Schweiz erhältlich sein:

1. Slinda
Slinda ist eine reine Gestagen-Pille, die eine gute Alternative zu den bisherigen Gestagenpillen (Cerazette/ Azalia etc) darstellt. Slinda enthält im Gegensatz zu den bisher existierenden Gestagen-Pillen das Gestagen Drospirenon. Studien haben gezeigt, dass unter Slinda weniger Blutungsstörungen sowie weniger Hautprobleme auftreten als unter den bisherigen Gestagenpillen, die das Gestagen Levonorgestrel beinhalten.

2. Drovelis
Drovelis ist eine kombinierte Pille, die ein anderes Östrogen als die bisherigen Pillen beinhaltet. Dieses heisst Estretol und wird in der Pille Drovelis mit dem Gestagen Drospirenon kombiniert. In Studien zeigte Drovelis eher niedriges Thromboserisiko und war relativ nebenwirkungsarm.

Gerne beraten wie Sie in unserer Sprechstunde zum Thema Verhütung und besprechen gerne welche Pille für Sie am besten geeignet ist.