Chronischer Juckreiz im Genitalbereich: Lichen sclerosus

  23. April 2021

Als Gynäkologinnen sprechen wir von der VULVA und bezeichnen damit die Teile des Genitales, welche von aussen sichtbar sind. Die Vulva ist also die Bezeichnung für die Region von Venushügel (bestehend aus Fettgewebe und von Haaren bedeckt) bis zum Anus. Dort befinden sich die Klitoris mit ihrer Vorhaut, die grossen und kleinen Schamlippen, sowie der Damm, die Haut zwischen Scheideneingang und Anus. In diesem Bereich kommt es immer wieder zu das Wohlbefinden stark beeinflussenden Symptomen, am häufigsten zu Juckreiz. Meist lässt sich ein akut auftretender Juckreiz mit einer Pilzinfektion erklären und ist mit gängigen Pilzmedikamenten gut behandelbar. Von der Pilzinfektion klar zu unterscheiden ist jedoch der Lichen sclerosus, eine chronische Krankheit und die häufigste nicht-infektiöse Hauterkrankung der Vulva. Schätzungen gehen davon aus, dass jede 50. Frau betroffen ist. Vielfach wird die Diagnose erst bei Frauen nach den Wechseljahren gestellt, doch die Krankheit tritt häufig schon bei jungen Frauen auf.

Zu den Symptomen des Lichen sclerosus gehören typischerweise:

  • Juckreiz
  • Schmerzen oder Brennen bei Geschlechtsverkehr
  • Risse in der Haut, welche durch Kratzen oder Sex ausgelöst werden
  • Die Haut im betroffenen Areal wird weiss und verdickt
  • Die kleinen Schamlippen werden kleiner und der Scheideneingang unelastisch ähnlich einer Narbenbildung

Wichtig zu wissen ist, dass Lichen sclerosus keine Geschlechtskrankheit ist, nicht ansteckend und (wahrscheinlich) in den Kreis der Autoimmunerkrankungen gehört

Die Therapie des Lichen sclerosus ist klassischerweise eine topische Therapie mit Auftragen von Cortisoncrème. Die Patientin muss diesbezüglich gut begleitet werden, da diese Therapie zum einen langdauernd, ja eigentlich lebenslang ist und somit der Erfolg der Therapie überwacht werden muss, wie auch der Patientin in Bezug auf die Frequenz des Auftragens gut beraten sein muss, denn niemand ist einfach zu motivieren eine Langzeittherapie auf sich zu nehmen. Zum anderen hat die Haut einen hohen Bedarf an Pflege mit rückfettenden Salben.

Neueren Datums gibt es Studien zur Wirkung der Anwendung des fraktionierten CO2 Lasers bei Patientinnen mit Lichen sclerosus, welche sehr vielversprechend sind. Auch wir verwenden seit geraumer Zeit den Laser als Therapie an und haben gute Erfahrungen bei unseren Patientinnen mit Lichen sclerosus in Bezug auf Symptome und Lebensqualität gemacht. Häufig muss aber auch die Lasertherapie kombiniert werden mit lokalen Cortisonprodukten.

Die Lasertherapie wird für diese Indikation noch nicht von der Krankenkasse übernommen und kostet pro Sitzung 250 SFr. Es werden 3 Sitzungen im Abstand von 4 Wochen empfohlen.

Weiterführende Informationen auch hier: www.lichensclerosus.ch